Rede von Direktor Josef Turiaux, Vorsitzender des Vorstands der Stadtsparkasse München, anläßlich seiner

OFFIZIELLEN VERABSCHIEDUNG

im Rahmen des Sparkassenfestes 2001

Ort und Zeit:
Altes Rathaus
Freitag, 7. Dezember 2001
11 Uhr

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrter Herr Dr. Naser,
sehr geehrter Herr Strötgen,
sehr geehrte Mitglieder unseres Aufsichtsgremiums,
liebe Kollegen aus unserem Haus und der Sparkassenorganisation,
sehr geehrte Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und sozialem Leben,
verehrte Kunden unseres Hauses,
sehr geehrte Damen und Herren von der Presse,
liebe Freunde und Weggefährten,
liebe Familie,

Joachim Ringelnatz - leider weder Rheinländer, noch Bayer, sondern ein Sachse -, der mit Worten umzugehen verstand wie kaum ein anderer, läßt eines seiner schönsten Gedichte mit der Zeile enden: "Und auf einmal steht es neben dir."

Und nun steht es heute auf einmal neben mir: der offizielle Abschied von Ihnen, den Freunden, Weggefährten, Partnern, Kunden und Kollegen aus fast 25 Jahren Stadtsparkasse München und beinahe fünf Jahrzehnten Sparkasse.

Wenn ich so in die Runde schaue, sehe ich lauter vertraute Gesichter; zu einer großen Zahl fällt mir spontan das Wort "Freundschaft" ein. Ich freue mich und fühle mich reich beschenkt, Sie heute alle um mich zu haben.

Haben Sie Dank
für Ihr Kommen,
für Ihre guten Gaben - das Spendenkonto der Organisation "Helfende Hände" wächst ständig - und
für Ihre vielen freundlichen und innigen Worte in meinem Gästebuch. Sie haben mir damit eine wunderbare Überraschung bereitet; das ist Lesestoff vom feinsten!

Zugleich bedanke ich mich bei meinen Vorstandskollegen und unserem Aufsichtsgremium sehr herzlich dafür, daß sie meinen Eintritt in den dritten Lebensabschnitt in dieser Form ermöglichten.

Ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, für Ihre freundlichen Worte in Ihrer Doppelfunktion als Stadtoberhaupt und Vorsitzender unseres Aufsichtsgremiums. Was Sie über mich und meine Arbeit gesagt haben, empfinde ich als Auszeichnung und große Ehre.

Ich danke auch Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Naser, der Sie für die Sparkassenorganisation gesprochen haben. Unsere Wege haben sich ja nur für kurze Zeit gekreuzt - eine Tatsache, die ich wirklich bedauere.
Und das nicht nur, weil Sie meine Leistungen eben in so sympathischer Weise hervorgehoben haben. Der Verbund war für mich in der Tat immer ein großes Thema.
Deshalb habe ich mich auch oft kritisch, aber ich glaube konstruktiv, dazu geäußert.


Mein Dank gilt selbstverständlich auch meinem Noch-Kollegen und künftigen Nachfolger als Vorstandsvorsitzender. Sehr geehrter Herr Strötgen, Ihre anerkennenden Worte haben mich sehr gefreut; das klang gut.


Meine Herren,

in allen Ansprachen waren Wärme und Anerkennung zu spüren, und daß es Ihnen um die Würdigung meines Lebensweges ging - dafür vielen Dank. Davon werde ich noch lange zehren.

Zudem habe ich heute ausnahmsweise einen Vorteil davon, kein Bayer zu sein. Denn von denen sagt man ja, daß Sie angesichts von zu viel Lob schnell mißtrauisch werden.

Da bin ich anders: Ich kann Lob stundenlang aushalten. Ich nehme Ihre Worte, - um im Metier zu bleiben - allesamt für bare Münze.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

als ich am 1. Mai 1977 in den Vorstand der Stadtsparkasse München eintrat, war das für mich ein Lebenseinschnitt.

Ich verließ aus der Position eines stellvertretenden Vorstandsmitglieds ein Haus - die Stadtsparkasse Aachen -, dem ich 23 Jahre angehört und in dem ich das Bankgeschäft erlernt habe.

Es ist für mich eine besondere Freude, daß mit den Herren Schwind, Rosen und Dr. Bräutigam heute gleich drei Vorstandsvorsitzende meiner Heimatsparkasse anwesend sind. Danke!

Ich ging von einem Institut, dem ich viel verdankte, - und verließ zugleich die Gegend, in der ich geboren und aufgewachsen bin, meine Frau gefunden und eine Familie gegründet habe. Für die der Wechsel zumindest so einschneidend war wir für mich.

In München war zuerst alles anders.

Größer vor allem, sowohl das Haus, als auch die Stadt. Ein Geschäftsstellenbesuch in den westlichen Außenregionen der Stadt und unseres Geschäftsgebietes kam mir wie eine Weltreise vor.
Und meine beiden Vorstands-Kollegen unterhielten sich in einer Sprache, die zwar wunderbar klang, deren Inhalt ich aber hin und wieder nicht entschlüsseln konnte.

Daß umgekehrt auch ich, der "Preiß", mißtrauisch beäugt wurde - keine Frage. Inzwischen habe ich von meinem damaligen Kollegen Toni Mauerer (Hallo Toni!) gehört, daß sich der Argwohn erst dann langsam gelegt habe, als man erfuhr, daß nicht nur ich Josef hieß, sondern meine Frau auch noch Maria und wir beide katholisch waren und zudem noch am Ölbergring wohnten......

Wir waren uns jedenfalls sympathisch - die Stadt München, die Stadtsparkasse und ihre Mitarbeiter und ich. Auch wir - damals noch drei - Vorstände verstanden uns auf Anhieb, wenn wir uns auch in der Sache hin und wieder recht deutlich auseinandersetzten.

Es war eine gute Zeit, man konnte schneller und unkomplizierter als heute etwas bewegen. Verglichen mit den Schwierigkeiten, mit denen sich die Kreditwirtschaft zur Zeit herumschlägt, nehmen sich unsere damaligen Sorgen fast bescheiden aus.

Es folgten Jahre, in denen ich die Entwicklung der Stadtsparkasse München mitgestalten durfte, während zugleich meine Familie und ich in Bayern eine freundliche und liebenswerte Heimat fanden.

Am 1. August 1984 übernahm ich von Alfred Lehner den Vorstandsvorsitz (Fred, ich grüße Dich!).

In unserem Haus setzte sich der schon vorher begonnene Veränderungsprozeß fort. Wir sind - zunächst einmal - größer geworden. Am plakativsten gibt das - Sie haben es gehört - unsere Bilanzsumme wieder. Heute sind wir in weiten Bereichen das führende Kreditinstitut am Bankplatz München. Das ist beeindruckend. Das zeugt von Vertrauen.

Aber, meine Damen und Herren, das ist nicht alles. Es wäre, ohne den Aussagewert von Zahlen verkennen zu wollen, auch etwas wenig. Für uns, die Stadtsparkasse München, aber auch für die Sparkassenorganisation, den Sparkassengedanken insgesamt.

Es geht um mehr als Wachstum und Marktanteile. Meine Vorredner haben es bereits zum Ausdruck gebracht. Ich will es mit meinen eigenen Worten versuchen.

Als ich 1954 - in der Adrema der Stadtsparkasse Aachen - meinen Dienst antrat, waren wir in vieler Hinsicht so etwas wie ein "Amt". Das ist gar nicht negativ gemeint; es war auch nichts Negatives. Ich bin sogar sicher, die Sparkassen hätten viele ihrer damaligen Aufgaben zwischen Wiederaufbau und Wirtschaftswunder gar nicht bewältigen können, wären sie anders strukturiert gewesen.

Sie kennen den Satz: Alles hat seine Zeit. Ich dazu der Meinung, es gibt sogar eine Zeitqualität, die Entwicklungen behindert oder forciert.

Die Jahrzehnte, die ich ab 1954 bis heute miterlebt, begleitet und - für zwei Sparkassen - sicher auch mitgeprägt habe, waren vor allem von zwei Faktoren gekennzeichnet: Veränderung und Geschwindigkeit. Oder miteinander: von schneller Veränderung.

Aus wenigen damals noch einfachen Produkten entwickelte sich eine umfassende Angebotspalette; heute sind wir eine Universalbank. Die EDV ersetzte in weiten Bereichen die Handarbeit. Märkte wurden größer, Kunden zurecht anspruchsvoller, Mitarbeiter entwickelten sich zu Mitverantwortlichen und und und.

Kundenbeziehungen, Märkte, Technik, Führung - wohin Sie auch blicken, es ist so viel passiert. Zwischendurch habe ich ab und zu gedacht, es müsse vorübergehend Ruhe einkehren, mehr könne in einem einzigen Berufsleben gar nicht mehr kommen.

Aber seit geraumer Zeit bin ich sicher, daß unsere Welt auch für meine Nachfolger noch genügend Neues parat hat; und zwar komplizierter und noch schneller.


Die Wahrheit ist:

Der Weg von "Opas Sparkasse" zu kaufmännisch geleiteten und eigenständig arbeitenden Unternehmen, die nach wirtschaftlichen Grundsätzen und in einer kundenorientierten Ausrichtung geführt werden - und das so überzeugend, daß sie heute fast überall die Nummer 1 an ihren Standorten sind! -, das, meine Damen und Herren, ist die eigentlich große Leistung der Sparkassen insgesamt.

Das, und die Tatsache, daß ihr besonderer Charakter trotz hartem Wettbewerb nicht auf der Strecke geblieben ist.

Die soziale Verantwortung des "Unternehmens Sparkasse" begrenzt sich eben nicht nur auf die Belegschaft; wir fühlen uns auch unserer Region und den dort lebenden Bürgern verantwortlich.

Ich halte es übrigens nicht für ausgeschlossen, daß gerade diese Eigenheit (und damit falle ich kurz in die Sprache des Wettbewerbs zurück), einmal unser "USP" werden könnte........ - also unser wichtigstes Unterscheidungsmerkmal und stärkstes Verkaufsargument.

Für - wenn Sie mir diese Formulierung heute einmal erlauben - "meine" Sparkasse gilt all das eben Gesagte in besonderem Maße.

Sie ist ein erfolgreiches Unternehmen, weil in all den Jahren viele Menschen mitgedacht und mitgezogen haben. Wir sind leistungsfähig und modern,
weil wir bei allen Innovationen nie das Gespür dafür verloren haben, was Kunden von uns erwarten, und
weil wir keine wesentlichen Entwicklungen verschlafen haben, sondern immer auf der Höhe der Zeit waren.

Am meisten beeindruckt hat mich immer, was in unserem Haus geschafft wurde und geschaffen werden kann, wenn sich alle an den Händen nehmen.
Dieses Haus hat eine gewaltige innere Kraft. Sinnvoll gebündelt, bewältigt es jede Aufgabe in guter Weise.

Zugleich waren wir auch für unsere Stadt immer mehr als ein Kreditinstitut. München liegt uns am Herzen; deshalb helfen wir - im Rahmen unserer Möglichkeiten - dort, wo Unterstützung gebraucht wird, im sozialen, kulturellen oder ökologischen Bereich.

Hier möchte ich, auch wenn es meine Vorredner bereits getan haben, nochmals unsere vier Stiftungen besonders hervorheben, mit denen wir - unabhängig von handelnden Personen - eine entsprechende Förderung auf Dauer fest verankert haben.


Meine Damen und Herren,

der heutige Tag ist für mich vor allem Anlaß, Dank zu sagen.

Zunächst einmal allen, die mit Einsatzfreude, klugem Kopf und Loyalität die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, daß wir unseren Weg gehen konnten.
Ich danke meinen Vorstandskollegen und den Mitgliedern unseres Verwaltungsrats für die gute Zusammenarbeit zum Wohl des Hauses und
unserem Personalrat für seine streitbare Fairneß.
Und ich bedanke mich bei unseren Kunden und Partnern für ihr Vertrauen, ihre Treue und auch ihre Nachsicht, wenn etwas ausnahmsweise einmal nicht so rund lief. Auch Sparkassler sind nur Menschen.

Zwei meiner engsten Mitarbeiter möchte ich namentlich erwähnen:

Meine Sekretärin, Frau Weber, die es mit bewundernswerter Kraft verstanden hat, mein direktes Umfeld gut zu organisieren und dabei meine Schwächen auszugleichen. Und die ab und an sogar besser wußte als ich, was ich wollte oder wollen sollte. Es kann auch sein, daß ich das nur so empfunden habe, weil sie mitdachte.
Und ich möchte Herrn Huber danken, meinem Fahrer von der ersten Stunde an, der mich fast ein Vierteljahrhundert sicher, ohne Unfall und immer pünktlich chauffiert hat. Seit einigen Jahren fahren da auch zwei Opas miteinander durch die Stadt
Lieber Günter Huber, unsere Gespräche über Gott und die Welt, über Fußball und Enkelkinder werde ich vermissen.
Liebe Frau Weber, lieber Herr Huber, vielen Dank für Ihre Treue, Loyalität und Ihre menschliche Lauterkeit.


Danken möchte ich meiner Familie, unseren Kindern und ganz besonders meiner Frau.
Liebe Maria, vielen Dank für Deine Energie und Deine Geduld, zuerst in Aachen und später im anfänglich bayerischen Ausland. Du hast mich nie getrieben, und doch hätte ich ohne Dich meinen Weg nicht in dieser Weise gehen können.


Ich danke den Damen und Herren der Presse, die uns - trotz manchmal unterschiedlicher Interessenslage - unterm Strich immer fair behandelt haben.
Ich danke Ihnen für alles, was Sie über mein Haus, die Kollegen und mich geschrieben und gesendet haben. Und auch für das, was Sie nicht geschrieben und nicht gesendet haben.


Dank empfinde ich auch gegenüber der Sparkassen-Organisation. Nach so langer Zeit ist das der geeignete Zeitpunkt.
Damals - ich habe ja ursprünglich etwas anderes gelernt - war es Zufall, daß mich mein beruflicher Weg zur Sparkasse führte; rückblickend war es ein Glücksfall.

Die Sparkassenorganisation erlaubte mir eine Laufbahn, wie sie - und davon bin ich überzeugt - nirgends sonst möglich gewesen wäre.
In einem einmaligen Aus- und Fortbildungssystem holte ich mir die höheren fachlichen Weihen. Dazu traf ich auf nicht wenige Persönlichkeiten, die mich förderten und mir vertrauten und die mir - auch in schwierigeren Zeiten - mit Rat und Tat zur Seite standen. Viele sind, wenn auch nicht immer formal so ausgedrückt, so doch Freunde geworden.


Meine Damen und Herren,

hinter mir liegen heute exakt 47 Jahre, 10 Monate und sieben Tage Sparkasse. Es waren Jahre, prall gefüllt mit Leben, mit Auf und Ab, mit Erfolgen, mit Freude, aber auch mit den - nicht immer - notwendigen Dämpfern.

Was ich in dieser Spanne erreichen konnte, das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und mit sehr viel Freude.

Wenn ich heute "Salu" oder "Servus" sage, dann nicht mit Zagen und Zähren, aber auch nicht mit einem "Gottseidank". Meine aktive Berufszeit beende ich ruhig, gelassen, ausgeglichen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Sie werden vielleicht fragen: "Was machen Sie denn im Ruhestand?"

Um es kurz zu machen: Golfprofi werde ich nicht - obwohl das hier und da schmeichelnd geäußert wird.

Auch Freeclimbing habe ich nach kurzem Überlegen verworfen.

Im Ernst:
Mein Ziel lautet ganz einfach: Ich will die Möglichkeit genießen, meine Zeit selbst zu bestimmen. Frei zu sein von den Zwängen eines Terminkalenders und frei zu sein für meine Familie, meine Frau, unsere Kinder und Enkelkinder.

Ich will mehr Bücher lesen, die nichts mit meinem Beruf zu tun haben, und ich will vielleicht mal drei Wochen am Stück verreisen.

Und ich bin sicher, das wird mir gelingen.

Wenn mir auch klar ist, daß ich in Sachen Ruhestand ein Anfänger bin und erstmal üben muß.
Oder, wie ein berühmter Franzose feststellte: "In jedes Lebensalter treten wir als Neulinge und ermangeln darin der Erfahrung."

Insofern starte ich in ein neues Abenteuer.


Und was unsere Sparkasse betrifft:

Trotz allen freundlichen Lobes glaube ich nicht, daß das Bankgeschäft von mir erfunden wurde und nun mit mir in Pension geht.

Es ist nicht Zuversicht, sondern meine volle Überzeugung: Für die Sparkasse wird es gut weitergehen - auch wenn unser Haus und unsere Organisation / die gesamte Kreditwirtschaft in naher Zukunft noch in stürmischen Gewässern unterwegs sein werden.

Herr Strötgen hat es bereits zum Ausdruck gebracht: Unser Institut ist insgesamt in guter Weise aufgestellt und geordnet. Das gilt für unsere Marktstellung und unsere wirtschaftliche, sachliche und personelle Situation.

Ich möchte anfügen: Ich übergebe es auch in acht gute Hände. Und wenn Sie mir die flapsige Formulierung erlauben - es sind auch alles helle Köpfe.

Von dieser Grundlage aus werden wir uns an dem ja so nicht einfachen Bankplatz München auch weiterhin wacker schlagen, eine gute Adresse sein und bleiben.


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich wünsche Ihnen allen und "meiner" Sparkasse aus tiefstem Herzen alles Gute. Sie können sicher sein, daß ich die künftige Entwicklung dieses Hauses aufmerksam und mit heißem Herzen verfolgen werde.

Ich danke Ihnen.


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